menkyyry

Hier bricht niemand ein!

Vor genau vier Wochen ging der SVM mit 0:4 in Unterhaching baden. An dieser Stelle schrieben wir damals, dass man auch aus dieser Klatsche positive Dinge mitnehmen, dass es der Warnschuss zur richtigen Zeit sein kann. Zugleich hörte man in seinem Umfeld und Bekanntenkreis von den üblichen Dauerpessimisten aber auch Sätze wie „die brechen jetzt total ein!“, oder „ab jetzt geht es bergab“.

Drei Spiele, neun Punkte und 4:0-Tore später kann man wohl getrost festhalten: Hier bricht niemand ein.

Sieg über eine Spitzenmannschaft

Nach dem verdienten, weil abgezockten Erfolg über Karlsruhe und dem brutal glücklichen Erfolg in Wiesbaden folgte heute die Krönung: Ein hochverdienter Sieg über eine Spitzenmannschaft der Liga.

Nach der umjubelten Nachricht der Kleinsorge-Verlängerung noch vor dem Anpfiff ging es von Beginn an munter weiter. Sowohl Meppen als auch Fortuna schienen in den ersten zehn Minuten Tag der offenen Tür feiern zu wollen – man hätte sich kaum wundern dürfen, wenn es 2:2 gestanden hätte. Doch nach der hektischen Anfangsphase kam plötzlich eine unheimliche Sicherheit ins Meppener Spiel.

Hinten stand man sicher, nach vorne kombinierte man vor allem über den bärenstarken Senninger und Granatowski mehrfach sehenswert. Lediglich das Tor fehlte – auch weil Girth sich heute zwar wieder mal hervorragend aufrieb, aber kein Glück im Abschluss hatte. Die starke Leistung wurde aber bereits zur Pause vom Publikum lautstark honoriert – völlig zurecht!

Was vor der Pause nicht klappte, gelang dafür schnell nach der Pause. Senninger setzte zweimal stark nach und wird im Strafraum gelegt. Leugers bedankt sich und verwandelt sicher.

Tempo fehlte

Wenn man dem Teams etwas vorwerfen mag, dann vielleicht, dass sie die sich bietenden Konterchancen mehrfach nicht clever genug ausgespielt hat. Ohne Kleinsorge und Granatowski, die beide raus mussten, fehlte aber schlicht und ergreifend auch Tempo im Spiel nach vorne. Kremer ist nicht so flink und Hyseni ohnehin ein gänzlich anderer Spielertyp.

Doch auch als es im finalen Fortuna-Sturmlauf nochmal eng wurde, hielt die Defensive beeindruckend Stand. Den Rest erledigte das Publikum, welches in der Endphase die Mannschaft wirklich irrsinnig stark unterstützte. Weniger als 7000 Zuschauer haben auch uns nach den letzten Spielen enttäuscht, den Leuten die da waren, kann man aber wirklich keinen Vorwurf machen. Gegen Chemnitz begreifen dann auch hoffentlich wieder mehr Leute, dass sich Stadionbesuche in Meppen im Jahr 2017 ziemlich lohnen.

H.N.

(Foto: Nikito Teryoshin / 11Freunde)

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Willkommen in Fort Knox

1:0 gegen Fortuna Köln – Wahnsinn! Das Emslandstadion entwickelt sich mal wieder zur sichersten Festung seit Fort Knox. Wir fassen die 90 Minuten schnell zusammen. Das Spiel in GIFs.

Unsere Reaktion, als die Vertragsverlängerung von Marius Kleinsorge verkündet wurde: 

giphy

 

Wie Schiedsrichter Zorn auf Elfmeter entschied: 

 

Ob wir je daran gezweifelt hätten, dass Thilo Leugers den Strafstoß vergibt? 

 

Wie Eric Domaschke nach der Führung seine Abstöße ausführte: 

 

Wie wir die Schlussphase erlebten: 

 

Ach ja, wie geht es dem VfL Osnabrück eigentlich zurzeit? 

 

(Alle GIFs via giphy.com)

Zeichen gesetzt

Beim SV Meppen galt, spätestens seit dem Gang in die Unterklasse, seit jeher eine Regel: rechne immer mit Punkten, die du noch gar nicht hast.

Meistens war es dann so, dass jeder in der Stadt dir vorrechnen konnte, dass dieses Jahr der Aufstieg drinsäße, wenn der SVM nur aus den nächsten vier Spielen zwölf Punkte holen würde. Und dann das direkte Duell gegen [setze hier den Namen eines beliebigen Spitzenreiters ein] zu Null gewinnen würde. Dann würden auch wieder die Zuschauer kommen. Und Geld in die Kassen spülen. Und mit dem Geld würde der nächste Königstransfer gelandet. Dann würde alles wieder gut werden.

Meist ging der SV Meppen dann bereits sonntags mit 0:3 in [setze hier den Ortsnamen eines beliebigen Abstiegskandidaten ein] baden. Und in Meppen wurde neu gerechnet. Bis zum nächsten Wochenende.

Mal umgedacht

Mittlerweile ist in Meppen alles wieder gut. Meppen ist dritte Liga. Doch vielleicht ist das gar nicht das größte Wunder, das der Vorstand in den letzten Jahren geleistet hat. Es ist das Umdenken.

Gestern setzte Thilo Leugers sein Autogramm unter einen Vertrag, der bis zum Jahr 2020 datiert ist. 2020. Das sind zweieinhalb weitere Jahre, die dieser Mann beim SV Meppen bleiben wird. Eine verdammte Ewigkeit. Und die wahrscheinlich beste Nachricht seit dem 31. Mai 2017 – seit dem Aufstieg.

Thilo Leugers trägt nicht die Kapitänsbinde. Wahrscheinlich, weil jeder weiß, dass er sie überhaupt nicht benötigt. Und auch, wenn der SV Meppen durch und nur durch das Kollektiv zum Erfolg gekommen ist, gibt es immer Spieler, die hervorstechen. Die etwas häufiger einen guten Tag erwischen. Die, wenn sie einmal nicht auf dem Platz stehen, fehlen. Die vorangehen. Thilo Leugers ist so einer.

Einer geht voran

Vor ziemlich genau einem Jahr spielte der SVM beim Hamburger SV II. Als Spitzenreiter. Aber noch lange nicht als Meister. Kurz vor der Pause schoss Mirco Born die Truppe in Front. Direkt nach der Pause erhöhte Benni Girth auf 2:0. Hamburg verkürzte direkt. Ein Spiel auf Messers Schneide. Und der SVM erhielt einen Elfmeter. Leugers lief an – und schoss den Ball in die Arme des Torwarts.

Warum dieses Spiel trotzdem sinnbildlich ist? Weil Thilo Leugers sich zu diesem Zeitpunkt mit einer Leistenverletzung über den Platz kämpfte. Er biss wirklich auf die Zähne. Hielt den Laden zusammen. Und musste kurz nach dem verschossenen Elfmeter ausgewechselt werden. Was dann passierte: die Struktur auf dem Platz brach völlig zusammen, weil niemand den Laden noch zusammenhielt. Wie sehr man etwas vermisst, merkt man eben erst, wenn es fehlt. Meppen gewann. Doch an diesem Nachmittag war klar, wie wertvoll Thilo Leugers für den SVM noch werden könnte.

Und wohin es diese Mannschaft noch treiben würde: zu einem Team, im wörtlichen Sinne, das die Zuschauer wieder anzieht. Zur Meisterschaft. Zum Aufstieg. Zu etwas, das für die Ewigkeit bleibt.

Unbestritten aller fußballerischen Fähigkeiten: Thilo Leugers ist jemand, mit dem sich das ganze Emsland identifizieren kann. Ein Emsländer mit allen positiven Eigenschaften dieser Region.

Blutgrätsche und Zauberpass

Jemand, der Spaß am Fußball haben und zeitgleich um jeden Preis gewinnen will. Jemand, der mit dem dreckigsten Trikot vom Platz kommt und trotzdem noch zwei Zauberpässe gespielt hat. Und jemand, der so bescheiden ist, dass er diese Zeilen niemals über sich lesen wollen würde.

Mit seiner Vertragsverlängerung geht er – mal wieder – voran. Meppen kann mit ihm rechnen. Es zeigt, dass die Verantwortlichen nicht bis zum nächsten Wochenende denken. Dass sich etwas Langfristiges entwickelt. Dass der Aufstieg noch nicht das Ende war. Die Unterschrift Leugers’ ist jetzt ein enormes Zeichen an die Mannschaft. Ein Signal an alle Teamkollegen, die zurzeit noch keinen Vertrag über den Sommer hinaus haben. Zu diesem Zeitpunkt die beste Nachricht für den gesamten Verein.

Auf Leugers folgt Vrzogic

Keine 24 Stunden nach der Leugers-Verlängerung legt der Verein mit David Vrzogic nach. Auch er bleibt bis 2020. Auch er setzt ein deutliches Zeichen. Im Emsland fühlt man sich pudelwohl. Illustre Namen wie Borussia Dortmund, Bayern München oder Dynamo Dresden stehen in seiner Vita, doch in Meppen beziehungsweise wohl eher im Umkreis scheint er sesshaft werden zu wollen. Dabei hatte er zu Beginn gar nicht den einfachsten Stand. Es gibt dankenswertere Aufgaben für einen Neuzugang, als in Konkurrenz zu Dauerbrenner Sebastian Schepers zu treten. Dass Vrzogic dem Publikumsliebling so schnell den Rang ablaufen und dabei auch noch die Zuschauer völlig überzeugen konnte, ist seine größte Leistung.

Auch wenn er zuletzt häufiger auf der Bank saß – seine Dienste werden in dieser Saison mit Sicherheit noch oft genug benötigt. Dass auf ihn Verlass ist, wenn er auf dem Platz steht, hat er stets bewiesen.

T.A. & H.N.

»Meppen ist immer Miteinander«

Als Neuzugang hat sich Steffen Puttkammer perfekt beim SV Meppen eingefügt. Nach einem Riss des Außenbandes kämpft sich der Defensivmann gerade zurück in die Mannschaft. Wir haben mit ihm gesprochen. 

Steffen, normalerweise ist diese Frage ja verpönt, bei dir aber mehr als angebracht: Wie geht es dir? 

PUTTKAMMER: Ganz gut, vielen Dank. Ich habe in den letzten Wochen seit dem Bänderriss in Unterhaching ganz schön geschuftet. Jetzt steht das finale MRT an, dann werden wir sehen, ob die Verletzung nach Plan ausgeheilt ist. Es fühlt sich gut an und ich hoffe, dass ich ab der nächsten Woche wieder vorsichtig auf dem Rasen stehen darf.

Wie müssen wir uns deinen Alltag nach der Verletzung vorstellen? 

PUTTKAMMER: (lacht) Vom Ergometer geprägt. Jeden Tag habe ich meist zwei Trainingseinheiten geschoben, vor allem auf dem Fahrrad und im Kraftraum. Eine Verletzung hat also auch seine guten Seiten, ich konnte mal wieder mehr an den Gewichten arbeiten, ohne einen Muskelkater am Spieltag zu befürchten. Und immer wieder hat unser Co-Trainer Daniel Vehring nach mir geschaut und spezielle Stabilisationsübungen mit mir ausgeführt.

Lass uns einen Schritt zurückgehen. Im Sommer bist du zur Mannschaft gestoßen. Wie war dein Beginn beim SV? 

PUTTKAMMER: Großartig, ich war froh zu so einer homogenen Truppe zu stoßen, die von der Kameradschaft lebt. Von Anfang hatte ich ein gutes Gefühl.

»Die Gespräche mit Heiner Beckmann haben mich tief beeindruckt«

Du bist auch wegen der Familie gern wieder nach Niedersachsen gekommen. Gab es sonst eigentlich noch einen Punkt, der für den SV sprach?

PUTTKAMMER: Natürlich! Abgesehen davon, dass ich Christian Neidhart und Max Kremer bereits kannte, haben mich die Gespräche mit unserem Sportvorstand Heiner Beckmann tief beeindruckt. Er hat sich dafür interessiert, wer vor ihm sitzt, der wollte mich wirklich kennenlernen. Wollte wissen, ob meine Persönlichkeit auch zur Mannschaft passt. Ehrlich gesagt, hatte ich zur gleichen Zeit auch andere Angebote, sowohl aus dem Ausland als auch aus der dritten Liga.

Und jetzt bist du in Meppen.

PUTTKAMMER: Richtig, jetzt bin ich in Meppen. Als wir uns die erste Pleite in Münster abgeholt hatten, da habe ich befürchtet, dass die Leute nicht mehr kommen. Dass wir die Euphorie vielleicht verspielt hätten. Und dann kommen wir im nächsten Heimspiel aus der Kabine, und erleben diese Stimmung. Da wusste ich: alles richtiggemacht.

In letzter Zeit wurde vor allem der Mannschaftsgeist hervorgehoben. Wie hast du das aufgenommen? 

PUTTKAMMER: Das habe ich beim ersten Gang in die Kabine bemerkt. Da sitze ich neben Martin Wagner und Marius Kleinsorge und fühle mich pudelwohl – Grüße gehen raus. Jeder, der neu kommt, muss sich erst einmal anpassen. Aber die Jungs haben es mir einfach gemacht.

Im letzten Jahr hat die Mannschaft viele Teambuildingmaßnahmen gemacht und sich verschiedene Ziele gesetzt. Gab es das dieses Jahr auch? 

PUTTKAMMER Ja, tatsächlich. Wir haben uns vor der Saison in kleinen Gruppen zusammengesetzt, Ziele für die Saison überlegt und vor der gesamten Mannschaft vorgestellt. Daraus ist ein kleiner Kodex entstanden. Und auch ein Leitspruch, dass wir zwar eine kleine Stadt, aber auch ein großes Team sind. Der wird demnächst über der Kabinentür hängen. Und dann war da noch diese Kabinenparty …

Ja? 

PUTTKAMMER: … Ach, besser reden wir darüber nicht detaillierter.

»Die Dreierkette wird eine gute Alternative bleiben«

In deinem ersten Ligaspiel – gegen Würzburg – hat der Coach noch mit Dreierkette gespielt. Wieso ist das zurzeit kein Thema mehr? 

PUTTKAMMER Das stimmt, in den Testspielen gegen Twente und Utrecht hatte das System gut funktioniert. Danach sind wir wieder aber in das altbewährte 4-2-3-1 übergegangen, mit dem wir etwas besser zurechtkamen. Ich glaube trotzdem nicht, dass die Dreierkette schon ad acta gelegt wurde. Sie wird eine gute Alternative bleiben.

Gegen Würzburg hast du als Abwehrchef gespielt. Zuletzt warst du im defensiven Mittelfeld unterwegs. Welche Rolle gefällt dir besser? 

PUTTKAMMER: Zentral in der Dreierkette fühle ich mich schon sehr wohl, das habe ich auch in Magdeburg häufig gespielt. Der Coach kennt mich und weiß, dass ich auch im Mittelfeld spielen kann. Zusammen mit Thilo, dem Linksfuß, hat das bisher sehr gut funktioniert.

Du blickst auf zahlreiche Einsätze in der 3. Liga zurück und gehörst mit 29 Jahren auch sonst zu den erfahrenen Spielern. Wird von dir eine Führungsrolle erwartet? 

PUTTKAMMER: Mit Gebo, Vido, Thilo und Martin haben wir, denke ich, ein tolles Korsett. Aber natürlich will ich die Verantwortung annehmen und unser Spiel mitlenken. Aber bei uns, da kann sich jeder sicher sein, wird es eh nie eine One-Man-Show geben. Meppen, das ist nie allein, das ist immer Miteinander.

»Meppen, das ist noch wahrer Fußball«

Hast du eigentlich schon den Mythos Meppen erlebt? 

PUTTKAMMER: Mythos?

… dass der SV Meppen eben doch anders ist, als all die anderen Vereine.

PUTTKAMMER: Ich habe nach dem Spiel gegen Magdeburg ganz viele Nachrichten aus dem Auswärtsblock bekommen. Die waren alle so begeistert von der Stimmung, die hier herrscht und wollen unbedingt nächstes Jahr wiederkommen. Meppen, das ist noch wahrer Fußball, habe ich gelesen. Meppen, das ist Fußballromantik. Ich glaube, das trifft es.

 

T.A.

Zurück in der Realität

Himmelhoch jauchzend, zu Tode betrübt? Nur drei Tage nach dem famosen Derby-Sieg über den VfL gehen wir in Unterhaching mit 0:4 baden. Soll man das Gastspiel im tiefsten Süden jetzt schulterzuckend abhaken, oder doch in Panik ausbrechen? Weder noch, es ist ein enorm wichtiger Warnschuss.

Es gibt sie eben, diese rabenschwarzen Tage. In denen du – gerade als Aufsteiger – in einer 38 Spiele langen Saison nicht wie ein Uhrwerk immer und immer die gleiche Leistung abrufen kannst. Na klar hat die vergangene Woche ihre Spuren hinterlassen. Eine weite Anreise nach Jena. Ein Spielverlauf, über den tagelang auf der ganzen Welt diskutiert wurde. Einen Derby-Sieg, auf den wir 25 Jahre warten mussten. Eine Anreise per Flugzeug durch das ganze Land. Das schlaucht.

Unkonzentrierte Spielweise

Nichtsdestotrotz muss man nach einer solch herben Niederlage gegen einen von Verletzungsproblemen gebeutelten Mitaufsteiger auch den Finger in die Wunde legen dürfen. Denn irgendwie wirkte das Team – nicht unbedingt von Beginn an, aber spätestens ab der zehnten Minute – unheimlich unkonzentriert und fahrig in den eigenen Aktionen.

Beim 0:1 kann die Situation schon nach dem abgeblockten Hain-Versuch geklärt werden. Doch Haching ist wacher, kriegt den zweiten Ball und bringt die Flanke, bei der sich Vrzogic dann auch noch kapital verschätzt. Beim 0:2 hebelt ein (toller) Bigalke-Pass die ganze Abwehr aus und Jesgarzewski realisiert den (guten) Laufweg von Dombrowka nicht rechtzeitig. Beim 0:3 kann der 1,78 Meter große Hain nach einem Freistoß unbedrängt einköpfen, während vier Meppener um ihn herum stehen. Beim 0:4 lässt man sich dann zur Krönung noch auskontern.

Mehr als die halbe Liga steckt im Abstiegskampf

Vielleicht war das heute ja auch der nötige Warnschuss zur richtigen Zeit. Dass man gegen keinen Gegner in dieser Liga auch nur ein paar Prozente weniger geben darf. Das beweisen ja auch die anderen Ergebnisse des heutigen Tages. Platz zehn nach zehn Spielen ist vermutlich mehr, als die meisten vor der Saison erwartet haben. Doch beim Blick auf die Tabelle sieht man schnell, wie verflucht eng diese Liga ist. Stand Samstagabend kommt der ruhmreiche KSC am nächsten Wochenende als Schlusslicht nach Meppen. Mit einem Sieg gegen Erfurt am Sonntag, kann der KSC theoretisch bis auf den neunten (!) Platz klettern.

Es zeigt: Ausruhen geht nicht. Der Abstiegskampf beginnt bei Hansa Rostock auf dem achten Platz.

H.N.

Foto: menkyyry

Wer ist hier der Dumme?

Die Szene des Spiels, vielleicht sogar des Wochenendes, endete aus Meppener Sicht äußerst negativ. Mit dem 1:2, dem Beginn einer Aufholjagd und dem Verlust von zwei Punkten. Nur: wer war schuld? Hätte Jena fairer spielen müssen, oder Nico Granatowski den Ball auf die Tribüne donnern müssen? In der Redaktion waren wir uns uneins. Deshalb: Pro und Contra.

Eine folgenschwere Dummheit

Wir brauchen nicht darüber diskutieren, ob die Aktion von Eismann unsportlich war oder nicht. Da kann es keine zwei Meinungen geben. Dass sich die Jenaer Verantwortlichen dann auch noch nach dem Spiel hinstellen und in peinlicher Art und Weise rumdrucksen, setzt dem Ganzen die Krone auf. Das ändert nichts daran, dass wir selbst Schuld sind, in grob fahrlässiger und dummer Weise am Samstag zwei Punkte verschenkt zu haben.

Granatowski hat in der Szene zwei Möglichkeiten. Entweder er spielt weiter, oder er drischt die Kugel ins Aus. Auf keinen Fall aber darf er mit dem Ball am Fuß das Spielen einstellen, schon gar nicht in zentraler Position quasi als letzter Mann. Das lernt man in der E-Jugend. Die Spieler sind ohnehin vor der Saison nochmal darauf hingewiesen worden, dass bei angeblichen Verletzungsunterbrechungen einzig und allein der Schiedsrichter entscheidet, ob das Spiel unterbrochen werden soll. Ein Pfiff war in der Szene nicht erkennbar.

Jena ist Tabellenletzter, lag nach 55 Minuten 0:2 gegen den „Abstiegskandidaten Nummer 1“, wie gerne vor der Saison propagiert wurde, zurück und spielte einfach nur schlecht. Auf gar keinen Fall möchte ich Verständnis für Eismanns Verhalten entwickeln, aber dass ihn in der Situation Fair Play nicht weiter interessierte, überrascht mich nicht sonderlich. Wie sich mein Gegner verhält, kann ich als Spieler nicht steuern, mein eigenes Verhalten aber schon.

Die Dummheit war folgenschwer: Ein klinisch toter Gegner ist durch den Anschlusstreffer wieder zum Leben erweckt worden, während wir bei jeglicher Wut und jeglichem Hadern vergessen haben, weiterhin Fußball zu spielen. Dass Jena am Ende den Ausgleich erzielt war angesichts des Spielverlaufs nicht nur erwartbar, sondern auch irgendwo nicht unverdient. Aber es war halt vollkommen unnötig, denn ohne besagte Szene aus der 57. Minute schießt Jena im Leben kein Tor. Immerhin dürfte Granatowski solch ein Fauxpas nicht nochmal passieren.

H.N.

Sei kein Arschloch

„Schlaf eine Nacht drüber“, lautet ein Grundsatz meiner Mutter, aus dem Potpourri eines kleinstädtischen Wertekanons, der auch Dinge enthält wie „Was du nicht willst, was man dir tut, das füg‘ auch keinem anderen zu“, oder „Kleine Sünden bestraft der liebe Gott zuerst“. Kurz gesagt: sei einfach kein Arschloch.

Auf dem Fußballplatz wird zugegebenermaßen – und Gott sei dank! – weniger Wert auf christliche Normen gelegt. Aber worauf sich seit Kindertagen alle geeinigt haben, sind gewisse Regeln des FairPlays und der Grundsatz, das Spiel zu unterbrechen, wenn sich einer verletzt hat. Soweit ich weiß, gilt das noch immer.

Genau das geschah gestern in Jena. Ein Jenaer Spieler bleibt verletzt liegen, windet sich, nach mehreren Passstationen hält Nico Granatowski den Ball an. Was dann geschieht, ist mittlerweile in jedem Medium und in jeder Kommentarspalte zu sehen und zu lesen. Sören Eismann läuft als Einziger weiter, stiehlt den Ball, läuft aufs Tor zu und trifft zum 2:1.

Es gibt gleich mehrere Dinge in diesem Moment, die den FairPlay-Gedanken mit Füßen treten.
1.) Während alles anhält, beginnt Granatowski eindeutig mit dem heraneilenden Eismann zu kommunizieren, inklusive Augenkontakt. In diesem Moment, und auf den darauffolgenden 25 Metern, hätte Eismann genügend Gelegenheit gehabt, um über sein Handeln nachzudenken.
2.) Dem Kapitän sollte nicht mehr Spott entgegengebracht werden als unbedingt nötig. Was ich mich aber frage: wo sind eigentlich seine zehn Mitspieler inklusive Trainerbank? Haben die alle jeglichen Sinn für das FairPlay verloren? Es gibt genügend Beispiele, in denen anschließend die benachteiligte Mannschaft beim Wiederanpfiff aufs Tor stürmen durfte, um den alten Abstand wiederherzustellen.
3.) Allen – außer Eismann – ist klar, warum Granatowski den Ball stoppt und nichts macht. Wegen eines verletzen Spielers. Wegen des FairPlays. Zugunsten Jenas. Der SVM erhielte durch eine Spielunterbrechung keinen Vorteil. Warum der Schiedsrichter, der als einziger das laufende Spiel unterbrechen darf, hier nicht laut Regelwerk auf eine verzögerte Spielunterbrechung nach dem Zweikampf entscheidet, bleibt mir schleierhaft.

Ich habe auf meine Mutter gehört, eine Nacht darüber geschlafen, und halte es immer noch für besser, kein Arschloch zu sein. Oder um hier mit dem Satz einer anderen Mutter zu enden: Dumm ist der, der dummes tut.

T.A.

 

Bild: Screenshot mdr.de

Regionalliga-Reform jetzt? Warum das jeden Meppener interessieren sollte

Sechs Wochen sind vergangen seit DFB-Präsident Reinhard Grindel unseren Blogeintrag „Sehr geehrter Herr Grindel“ kommentiert und damit bundesweit für Aufsehen gesorgt hat. Nicht viel Zeit, aber mehr als genug, damit ein Ruck durch die Ultraszenen gegangen und der Druck auf den DFB gestiegen ist. Natürlich würden wir nie behaupten, dass unser offener Brief ein Anstoß für irgendetwas war, aber immerhin: es war das erste Mal nach langer Zeit, dass der DFB auf die Forderungen und Nöte von einfachen Fans einging.

Viel geschehen

Seitdem hat der Verband die Kollektivstrafen außer Kraft setzen lassen, während sich Ultras und Vereinsvertreter in Erfurt versammelten. Manch einer glaubt, dass sich die Fronten annähern. Die Chance auf einen Burgfrieden besteht. Andere sehen darin den maximalen Kampf um die Deutungshoheit von deutscher Fankultur. Wer die Äußerungen, und ihre Machart, des DFB-Vize Rainer Koch nach den jüngsten Vorkommnissen in Magdeburg kontrovers verfolgt hat, kann zumindest zu dem Schluss kommen, dass der DFB noch längst nicht klein beigegeben hat.

Trotzdem: es gibt erste Annäherungen. Wie z.B. im aktuellen Interview zwischen Grindel und Michael Welling, Präsident von RW Essen und Fürsprecher aller ambitionierten Regionalligisten.

„Wir reden im DFB intensiv über die Aufstiegsfrage“

Und jetzt? Eine Hauptforderung, ein echtes Anliegen, die dringend notwendige Reform der Regionalliga, will der DFB innerhalb weniger Wochen angehen. Dafür hatte zuletzt 11Freunde geworben, eine Petition gestartet und viele betroffene Vereine mit ins Boot geholt. Wenig verwunderlich, aber umso schöner, also, dass Reinhard Grindel im Interview sagt: „Wir reden im DFB intensiv über die Aufstiegsfrage. Wer sich mit dem Thema seriös beschäftigt, wird schnell erkennen: einen guten Konsens zu finden, ist schwierig. Grundsätzlich halte ich es für richtig, bei einer fünfgleisigen Regionalliga zu bleiben. Die regionale Struktur macht ihre Attraktivität für Zuschauer, Sponsoren und das Fernsehen aus. Wir wollen mit den Klubs im Rahmen von Regionalkonferenzen Optionen diskutieren. Dazu gehört auch ein Modell, das besser ist als die jetzige Regelung und fast alle Wünsche berücksichtigen würde.“

Wahnsinn! Nur, ist das der erhoffte Weg ins Paradies? Oder wird jetzt alles nur noch schlimmer?

Regionalliga. Das klingt für uns, die Fans des SV Meppen, nach grauer Vergangenheit. Nach Siegen in Egestorf/Langreder und Niederlagen gegen St. Pauli II. Warum damit jetzt also noch beschäftigen? – Weil es uns, den Verein, viel mehr betrifft, als wir es uns selbst eingestehen wollen. Denn genauso schnell wie wir über Nacht, aufgrund des einen, wundervoll metallklingenden Pfostenschusses in der 3. Liga standen, kann es wieder runtergehen. Und dann?

Vier Modelle

Laut Medienberichten sind vier Modelle vorstellbar, aber nur die ersten drei wären ab der kommenden Saison durchsetzbar. Wir wollen uns alle einmal genauer ansehen und Vor- und Nachteile darstellen. Denn schon jetzt steht fest: diese Reform ist eine Operation am offenen Herzen.

1. Die Staffelsieger steigen direkt auf. Die 3. Liga hat 5 Absteiger und wird auf 22 Vereine aufgestockt.

5 Absteiger – 5 Aufsteiger aus den Regionalligen. Endlich! Denn Meister müssen aufsteigen. Das ist die Hauptforderung, die es umzusetzen gilt. Jeder, der die fassungslosen Mannheimer, die Kölner und die Jungs aus Elversberg am Saisonende gesehen hat, weiß: so gehts einfach nicht! Mit fünf Auf- und Absteigern müsste zudem nicht einmal die zerbrechliche Regionalligastruktur verändert werden.
Aber die vier Spiele!, rufen Kritiker, wie z.B. Julian Koch von Liga3-online.de. Schon jetzt sei der Terminkalender der Drittligisten völlig überfüllt. Und vier Spiele extra? Das ginge zulasten der Qualität, der Gesundheit usw., zusammen mit den Pokalspielen könnten da um die 50 Spiele zusammenkommen. Wir aber glauben: vier weitere Spiele wären ein fairer Preis für mehr Gerechtigkeit. Und Landespokalspiele als Zusatzbelastung sind zumindest aus unserer Sicht, als Meppener, kein Argument. Wir scheiden eh in der zweiten Runde aus – Hand drauf! Für viele andere Regionalligisten mit verzweigteren Pokalen sieht das anders aus. Viel wichtiger: Zwar steigen fünf statt nur drei Teams ab, aber es sind eben mehr Mannschaften und die Chance eines Wiederaufstiegs würde nahezu verdoppelt werden.

2. 3 Staffelsieger steigen auf. 2 Teams spielen den vierten Aufsteiger aus. Es gibt 4 Absteiger aus der 3. Liga.

Dies hier ist, so hat sich Reinhard Grindel geäußert, ein beliebtes Modell des DFB. Und wir fassen uns an den Kopf. Na klar, das Modell ist irgendwie der größte Kompromiss aller Möglichkeiten. Aber Kompromisse sind manchmal eben nicht die beste Idee. Wer direkt aufstiegt, und wer nochmals spielen muss, entscheidet das Los bzw. eine vorgegebene Reihenfolge. Für die Vereine bedeutet das einen ungleichen Wettbewerb. Man stelle sich vor, der SV Meppen hätte ausgerechnet in seinem Meisterjahr nochmals spielen müssen, hätte – vielleicht wegen eines Pfostenschusses – verloren und wäre nicht aufgestiegen. Wo würden heute die prägenden Figuren des Meisterjahrs spielen? Wahrscheinlich nicht in Meppen. Und während die Mannschaft ihr Kunststück kein zweites Mal wiederholen kann, steigt im kommenden Jahr der VfB Oldenburg auf. Weil in diesem Jahr der Meister aus dem Norden direkt aufsteigt. Glück gehabt – oder eben: wer kann sowas wollen? Nein, diese Reform braucht klarere Ansätze.

3. Die Staffelsieger spielen in einem Fünferturnier die 3 Aufsteiger aus.

Auch diese Option wird vom DFB präferiert. Ein erstes Zeichen, das Modell kritisch zu durchleuchten. Das Turnier, so Grindel, sei ja auch aus marketingtechnischen Gründen attraktiv. Aha, der DFB, der zehn Jahre benötigte, um die 3. Liga erstmals zu vermarkten, schafft es kurzerhand die Aufstiegsspiele zu verkaufen? Warten wir mal ab.
Aber davon abgesehen: Wer nach vier Spielen über dem Strich steht, hat es verdient, auch aufzusteigen. Glück oder Unglück scheinen in dieser Variante weniger wichtig. Nur: haben es die zwei anderen Vereine, die Meister ihrer Klassen, weniger verdient? Haben sie nicht in den 38 Spielen zuvor gezeigt, dass sie aufsteigen sollten? Nein, Meister müssen aufsteigen. Und das hält dieses Modell ebenfalls nicht. Doch dieser Grundsatz muss die Maxime sein. Alle, und nicht ein paar Sieger eines marketingkonformen Turniers des Verbandes, das außerdem die Diskussion über eine Mehrbelastung der Drittligisten („vier weitere Spiele sind wirklich zu viel“ (siehe Punkt 1)) ad absurdum führt. Und was geschieht eigentlich mit dem Tabellenzweiten aus dem Mitgliederstarken Südwesten?

4. Die Regionalliga wird auf 3 Staffeln reduziert. Alle Meister steigen auf.

„11Freunde“ brachte diesen Vorschlag vor wenigen Wochen ins Rennen – und fand schnell breite Unterstützung. Wohl auch, weil alle unbedingt wollen, dass etwas geändert wird. Die 3-Säulen-Struktur geriet aber auch in die Kritik. Weil die Aufteilung, ganz besonders im Nord und Nordosten, schwierig zu realisieren ist. Vereine von der Insolvenz bedroht werden könnten. Kleine Vereine vielleicht den Auflagen nicht Folge leisten könnten. Immerhin würden so alle Meister aufsteigen, aber in ihrer Anzahl nicht mehr als zuvor. Stattdessen müssten die Meister der Oberligen noch mehr Ausscheidungsspiele machen (noch mehr als ohnehin schon, siehe Bremen-Hamburg-SchleswigHolstein). Besonders interessant sind jedoch die Play-Off-Gedanken in der 3. Liga, Aufstiegsspiele aller Zweitplatzierte, um die Regionalligen länger spannend zu halten und, Achtung, die Ausklammerung der als unattraktiv geltenden U23-Teams. Als Option wurde in diesem Zuge übrigens auch eine Aufsplittung in vier Regionalligen vorgestellt. Das alles, also eine Neuaufteilung der Ligenstruktur, ist laut des DFB aber erst nach dem Bundestag 2019 möglich und nur mit einer Zweidrittelmehrheit durchsetzbar. Derzeit scheint der DFB auch keine Sondertagung zu planen.

Was wirklich zählt

Klar ist, die Regionalligareform bietet zahlreiche Möglichkeiten. Leider. Denn es kann richtig gut, oder auch standesgemäß in den Sand gesetzt werden. Immerhin scheint sich der DFB nicht länger den Vereinen zu verschließen. Gut so. Umso wichtiger ist es, dass sich jeder Fan eine, seine Meinung bildet, im Stadion mit dem Nachbar diskutiert und die Diskussion am Laufen hält. Damit nie wieder ein Pfostenschuss für den SV Meppen oder jeden anderen Verein entscheiden muss.